Krausnick, Michail
Auf Wiedersehen im Himmel
Die Geschichte der Angela Reinhardt

München 2001
Elefanten Press
3-570-14614-6
176 S. Hardcover 13,00 EUR [D]

Medium: Buch
Zielgruppe: Jugendliche
Genre: Biografie

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Krausnick, Michail: Auf Wiedersehen im Himmel. Die Geschichte der Angela Reinhardt

Angela Reinhardt: Eine Ohrfeige rettete ihr Leben

Die Kinder der in Konzentrationslager verschleppten Sinti und Roma wurden von den Nationalsozialisten zu Waisen erklärt und in die Fürsorge katholischer Kinderheime gegeben. Auch Angela ist eines dieser Kinder. In der Heiligen St. Josefspflege in Mulfingen trifft die Siebenjährige auf etwa 40 Kinder zwischen sechs und sechzehn, die als 'Vollzigeuner', 'Zigeunermischlinge' und 'Jenische' klassifiziert werden. Sie bleiben von Himmlers Auschwitz-Erlass, der 'Endlösung der Zigeunerfrage', so lange ausgespart, bis die 'Rassenforscherin' Eva Justin ihre Doktorarbeit über 'das Artfremde' der 'Zigeunerkinder' abgeschlossen hat. Dann jedoch kommt der Befehl aus dem Reichssicherheitshauptamt: Die Kinder werden aus dem Heim direkt in das Vernichtungslager deportiert. Angela überlebt, weil sie eine deutsche Mutter und damit noch einen zweiten Namen hat: Schwarz. Das führt bei den Behörden zu einer Verwechslung, die von den Schwestern ausgenutzt wird. Als die Nazis von den Kindern Fingerabdrücke nehmen, verbieten ihr die Schwestern, sich daran zu beteiligen: "Du gehörst nicht dazu."
Und als der große Bus kommt, um die Kinder zu dem versprochenen 'schönen Ausflug' abzuholen, heißt es wieder: "Du gehörst nicht dazu!" Angela versucht sich in den Bus zu schmuggeln und bekommt dafür von der Schwester eine saftige Ohrfeige. Die hat ihr das Leben gerettet.

"Ich finde das Buch wirklich hervorragend, vor allem, weil es für unsere Arbeit im Schul- und Bildungsbereich von Nutzen sein wird ..., zumal ja immer noch ein eklatanter Aufklärungsbedarf zu unserer Geschichte besteht." (Daniel Strauß, Verband deutscher Sinti und Roma)

"Erzählerisch und inhaltlich bestens gelungen. Das ist keines der Bücher, die zu viel auf dem Buchmarkt sind." (B. Lang, Buchhändlerin, Legau)

"Spannend und ergreifend, in einem Rutsch zu lesen. Krausnicks große Kunst ist es, den Atem und Herzschlag der Zeitzeugin Angela Reinhardt wiederzugeben, ihre authentische Sprache zu erhalten und damit den Menschen, der dies alles erlebt und erlitten hat, sehr direkt zum Leser sprechen zu lassen. Und bei allen Unterschieden:

Anne Frank und Angela Reinhardt sind Geschwister." (Dr. Gisela Wollstein, Evangelische Lesestunde)

"Ein außerordentliches Schicksal, das aufwühlt und wütend macht. Für den Völkermord an den Sinti und Roma ein Dokument von hohem historischen Rang, für den heutigen Kampf gegen Unmenschlichkeit und Rassismus ist Krausnicks Buch eine höchst aktuelle Lektüre, die in alle Schulen gehört." (Daniel Stern, Norwestdeutscher Bücherbote)

"'Auf Wiedersehen im Himmel' ist ein leises, stilles Buch geworden. Unaufgeregt wird gezeigt, wie Wissenschaft, Polizei und Behörden einer reibungslosen Vernichtungsmaschinerie zuarbeiteten. Wie Kinder von ihren Eltern getrennt und belogen wurden. Wie Kirche und Klerus nicht immer die rühmlichste Rolle spielten, wenn es um den Schutz geborenen Lebens ging. (Brigitte Jakobeit, DIE ZEIT)

"Das Buch füllt eine Lücke, da es wenige Jugendbücher zum Schicksal der Sinti und Roma im Dritten Reich gibt. Aus den Erzählungen Angela Reinhardts und den Unterlagen der St. Josefspflege hat Krausnick ein packendes, authentisches Dokument gemacht. (Dorothee Rothfuß, MANNHEIMER MORGEN)

"Einzelschicksale wie die von Angela und Johann, das sind fassbare Bilder, die auch die Schüler gebannt verfolgten. Alle waren betroffen, einige fragten nach, andere erwarben Bücher, um das Gehörte noch einmal intensiv nachzulesen." (E. Ziegler, GELNHÄUSER TAGEBLATT)

"Ihr Buch ist eine Schutzimpfung gegen Rassisten und Neonazis ... Der größte Kindermord in der Geschichte der Menschheit darf niemals vergessen werden. (Tanja R., Schülerin, Konstanz)

"Der literarische Report ist dem Autor gelungen, lobt die Rezensentin. Er halte die Balance zwischen wichtigen Informationen und literarischem Erzählen, zwischen nüchternem Bericht und Mitleid und Empörung. Und, das findet Bauschmid besonders ausgezeichnet, er lässt Raum, sich in das Mädchen hineinzuversetzen, ohne mit Betroffenheitskommentaren die Entwicklung eigener Gefühle des Lesers vorwegzunehmen. (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, Literaturbeilage)

"WIE 'TARZAN' VOR DEN NAZIS FLOH - Dass dieses Thema immer noch fesselt, zeigte die Reaktion der Schüler, die bei der Lesung in der ehemaligen Synagoge absolut still waren und den Autor danach mit Fragen überhäuften: Eine gelungene Lesung über ein gelungenes Buch." (sr, Rhein -Neckar-Zeitung)

"'Auf Wiedersehen im Himmel' ist eine zugleich nüchterne und anrührende Erzählung. Der Autor nimmt nicht das Erzähler-Ich der Angela Reinhardt ein, er berichtet als genauer Chronist über die kleine 'Anscha'. So gelingt es ihm, exemplarisch dem jugendlichen Leser einen Einblick in die Rassenterminologie und Rassenideologie der Nazis zu erläutern." (Ria Proske, Nationalsozialismus und Neonazismus, Ausgewählte Kinder- und Jugendbücher)

"Ich habe dieses Buch für eine Büchervorstellung an meiner Schule ausgelesen und muss sagen, Ihr Buch hat mich wirklich zu Tränen gerührt. Ich habe noch nie ein so geniales Buch gelesen. Sie haben meinen ganzen Respekt für Ihr Meisterwerk 'Auf Wiedersehen im Himmel'. (Melanie, Schülerin CH)

"Grauen in der Nachbarschaft, 25. August 2002 - Die Schilderung des Schreckens aus der Sicht eines Kindes macht das furchtbare Unrecht für den Leser greifbar. Dieses Zeitdokument ist besonders für die Jugendarbeit zu empfehlen. Der gleich lautende Dokumentarfilm ist im Sinti und Roma Zentrum in Heidelberg zu erhalten. (Thomas Bollmann, Neudenau/Jagst)

"Auch ein Heimatbuch - Von Burladingen über die Wälder der Schwäbischen Alb und Friedrichshafen nach Mulfingen an der Jagst. Das sind die Lebensstationen von Angela Reinhardt ... Michail Krausnick beschreibt einfühlsam Angelas abenteuerliches Leben im Nationalsozialismus. Ein spannender Roman, nicht nur für Jugendliche. (Peter Bräunlein, NATURFREUNDE in Württemberg)

"Ich habe Ihr Buch in einem Zug durchgelesen. Die atmosphärische Dichte und die gekonnte Darstellung zeitgeschichtlicher Zusammenhänge, die sich um die Biografie anordnen, sind fesselnd und beinhalten eine deutliche politische Botschaft und Mahnung. (Siegfried Frech, Landeszentrale für politische Bildung)

LESEPROBE: Am 9. Mai 1944 mussten die Kinder in der Morgenröte alle sehr früh aufstehen. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Frischer Tau lag auf den Wiesen und an den Hängen blühten die Obstbäume. Eigentlich hätte es an diesem Tag im Heim ein großes Fest geben sollen. Denn es war ein besonderes Datum: der Namenstag der Schwester Oberin. Fräulein Hägele hatte ihre Schülerinnen und Schüler extra Gedichte und Lieder auswendig lernen lassen. Auch Angela hatte eins gelernt. Jetzt aber hatte das alles keine Bedeutung mehr. Missmutig half Angela den kleineren Mädchen beim Zöpfeflechten, beim Kämmen und beim Anziehen. Es war eine merkwürdige Stimmung. Alle waren so aufgeregt und nervös.

Zum Frühstück gab es diesmal etwas Besonderes. Keine eklige Brotsuppe, sondern knuspriges, frisches Brot, Margarine und Erdbeermarmelade. Und heißen, köstlich duftenden Lindes-Kaffee. Schwester Roswitha ging herum mit einer großen Flasche "Mulfinger Goldwasser", wie der Lebertran genannt wurde, den sie immer zur Stärkung nehmen mussten. Er schmeckte ekelhaft tranig und es war eine Qual, ihn herunterzuwürgen. Alle mussten einen Esslöffel voll nehmen. Manchen wurde so übel von dem Fischgeruch, dass sie rausrannten. Als Schwester Roswitha zu ihr kam, sagte sie trotzig: "Nein danke, ich gehöre nicht dazu!" Und wollte den Löffel wegschieben. Doch die Schwester sagte: "Gerade du brauchst eine Stärkung, mein Kind!" Und schob ihr den Löffel in den Mund.

Eine andere Schwester zog mit einer Liste von Tisch zu Tisch und zahlte jedem Kind das von ihm Ersparte aus: ein paar Markstücke, Groschen und Pfennige von der Sparkasse Künzelsau. Von den Eltern geschenkt, von den Kindern erarbeitet. Und manchmal auch eine von der Rassenforscherin ausgesetzte Siegprämie. "Wozu?", fragte Andreas. "Wozu brauche ich fünf Mark zweiunddreißig? Ist das für die Fahrkarte?"- "Damit ihr euch unterwegs eine Suppe oder etwas Brot kaufen könnt! Ein jedes unterschreibt hier, dass es sein Geld bekommen hat!" - "Warum?" - "Damit es seine Ordnung hat!"

Danach ging es runter in die große Eingangshalle. Dort mussten sich alle zu zweit aufstellen. Die Schwestern kontrollierten noch einmal das Aussehen der Kinder und zogen den Buben die Scheitel nach. "Ihr sollt doch nicht aussehen wie die Zigeuner!" Noch immer hoffte Angela auf das Wunder, doch noch mit auf den Ausflug zu dürfen, und wagte einen letzten Versuch. Sie stellte sich einfach neben ihrer Freundin Maria auf. Aber Schwester Agneta entdeckte sie auch dieses Mal und zog sie aus der Reihe heraus. "Fort! Fort! Du gehörst nicht dazu!" - "Doch. Ich will aber!" Trotzig schüttelte sie den Kopf. Und erhielt dafür eine schallende Ohrfeige. Ausgerechnet von der Schwester, die ihr immer die allerliebste gewesen war. An deren Rock sie sich gekrallt hatte, wenn sie Angst hatte. Und die ihr die Tränen getrocknet hatte, als sie beim Schlittenfahren gegen die Mauer gestürzt war. "Marsch, rauf in den Schlafsaal, unter die Decke und Augen zu!" Schwester Agneta hatte plötzlich dunkelrote Flecken im Gesicht.

Langsam, sehr langsam ging Angela die Treppe hinauf. Sie war richtig wütend. Wütend und traurig. Die Ohrfeige brannte, und obwohl sie durch ihre Tränen nichts sehen konnte, spürte sie, wie alle ihr nachsahen, ihr, die nicht dazu gehörte. "Wir machen einen Ausflug, und du man nicht!", rief eine der ganz Kleinen hinter ihr her. Erst sehr viel später sollte sie erfahren, wie nah sie damals am Rande des Todes gestanden hatte.

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